Rezension: Projekt Green Zero

Titel: Projekt Green Zero
Autor: Dirk Gratzel
Verlag: Ludwig
Erschienen: 08/2020
*Rezensionsexemplar

„Wenn heute ein nicht-nachhaltiger, Ressourcen und Umwelt verschleißender und zerstörender Produktionsprozess (…) wettbewerbsfähiger ist als ein nachhaltiger, der Aufwand und die Kosten des gesamten Lebenszyklus eines Produkts ordentlich erfasst und abdeckt – ist dann nicht grundsätzlich etwas falsch an unserer Form des Wirtschaftens?“

Darum geht’s:

„Ist es möglich, den eigenen ökologischen Fußabdruck auf ein Minimum zu reduzieren und sogar die bisher angehäuften Klimaschulden wieder auszugleichen?
Dirk Gratzel tritt den Beweis an: Er hat fest vor, künftigen Generationen keine ökologischen Schulden zu hinterlassen.

Umweltwissenschaftler der TU Berlin haben für Gratzel die Ökobilanz seines bisherigen Lebens errechnet. Das Ergebnis: Er muss seine gesamte Lebensweise auf den Kopf stellen, um seinen Ressourcenverbrauch und die Belastung der Ökosysteme zu reduzieren: Duschen? Nur noch 45 Sekunden. Neue Kleidung? Fehlanzeige. Fliegen? Nie wieder.

Doch dabei bleibt es nicht: Gratzel möchte alle bisher verursachten Schäden wiedergutmachen und die »Grüne Null« erreichen. Dafür ergreift er erstaunliche Maßnahmen … Ein leidenschaftlicher, inspirierender Selbstversuch!“

 

Meine Meinung:

Lebens-Ökobilanz? Was ist das denn? Wenn man sich ein wenig mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst, stößt man immer mal wieder auf den Begriff der Ökobilanz – doch bisher eben nur für Produkte oder Dienstleistungen. Dirk Gratzel wollte der Frage nachgehen, ob man solche eine Berechnung auch für sich als Mensch vornehmen kann. Denn auch wenn man sich denken kann, dass die bei den meisten Menschen nicht unbedingt rosig aussehen würde, wäre es doch mal interessant zu erfahren, wie viel Schaden man schon so der Umwelt zugefügt hat.

Zusammen mit Wissenschaftlern gelingt es ihm eine solche Berechnung und ist verständlicherweise schockiert. Denn alles was wir tun, hat auch Auswirkungen auf die Umwelt. Und Dirk Gratzel weiß nun, wie viel Tonnen Emissionen er bis zu seinem voraussichtlich, statistischen Lebensende wiedergutmachen muss.

Die ganze Idee, sowohl der Ökobilanz für ein Leben als auch der Versuch diese komplett auszugleichen, sehr spannend. Ich glaube, ich hatte genau wie der Autor auf gute Konzepte zu eben diesem Ausgleich gehofft. Aber genau hier liegen noch so einige Schwächen. Genau deshalb sind solche Fragestellungen und die Befassung mit dem Thema Klima so wichtig. Nur so können wir Konzepte und Ideen entwickeln, die auch wirklich etwas bringen.

Es werden spannende Aspekte angesprochen, sodass der ein oder andere gut angeregt wird, mal sein eigenes Konsumverhalten zu überdenken.

Besonders gefallen hat mir der Schreibstil. Man merkt auf der einen Seite, dass Dirk Gratzel kein Autor von Beruf ist, was sehr erfrischend wirkt. Gerade aber der Humor und der Witz mit dem Gratzel an doch teils schwer zu verdauende Tatsachen rangeht, war mein Highlight an diesem Buch. Besonders beim „Bahn-Kapitel“ musste ich herzlich lachen.

Zwischendrin erklärt Gratzel bestimmte Begriffe oder erläutert was die Aufgabe einer bestimmten Organisation ist. Dadurch wird das Buch nicht nur spannend und unterhaltsam, sondern durchaus informativ.

Viele Dinge sind mir bereits bekannt gewesen, aber ich konnte immer noch mehr lernen über klimaschädliche Konsumgüter und den möglichen Alternativen. Denn die gibt es. Das zeigt Gratzel mit den jeweiligen Vor- und auch Nachteilen.

Insgesamt ein spannendes und vor allem sehr unterhaltsames Buch, das zum Nachdenken anregt.

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