Rezension: Die Telefonzelle am Ende der Welt

»Genau deshalb war es wichtig, Geschichten in Erinnerung zu behalten, mit Menschen zu reden, über Menschen zu reden. Menschen zuzuhören, wenn sie über andere Menschen sprachen. Und, wenn nötig, auch mit den Toten ins Gespräch zu kommen.«

Titel: Die Telefonzelle am Ende der Welt
Autorin: Laura Imai Messina
Verlag: btb Verlag
Erschienen: 03/2021
*Rezensionsexemplar

 

Darum geht’s:

„Eine Tagesfahrt von Tokio entfernt steht in einem Garten am Meer einsam eine Telefonzelle. Nimmt man den Hörer ab, kann man dem Wind lauschen – und den Stimmen der Vergangenheit. Viele Menschen reisen zu dem Telefon des Windes, um mit ihren verstorbenen Angehörigen zu sprechen und um ihnen die Dinge zu sagen, die zu Lebzeiten unausgesprochen blieben. So kommt eines Tages auch Radiomoderatorin Yui an den magischen Ort. Im Tsunami von 2011 verlor sie ihre Mutter und ihre kleine Tochter. Yui lernt in dem Garten den Arzt Takeshi kennen, auch er muss ein Trauma verarbeiten. Die beiden nähern sich an, gemeinsam schöpfen sie neuen Mut. Und erlauben sich zum ersten Mal, dem Leben einfach seinen Lauf zu lassen. Ganz gleich, was es für sie vorgesehen hat…“ (RandomHouse)

 

Meine Meinung:

Zu heilen. Das ist das erste, was mir in den Sinn kommt, wenn ich an die Telefonzelle des Windes denke. Im Buch geht es darum, nach dem Verlust eines geliebten Menschen zu heilen.

Auf eine sehr einfühlsame und berührende Weise gelingt es der Autorin die wahren und tragischen Begebenheiten des Tsunamis von 2011 in Tōhoku mit der fiktiven Geschichte um Yui und deren Verlust der Tochter und ihrer Mutter zu verknüpfen. Es entsteht eine bewegende Geschichte, die zeigt, wie schnell sich das Leben in wenigen Augenblicken ändern kann und gleichzeitig wie man mit solch einer drastischen Änderung umgehen kann. Jeder auf seine Weise.

Als mir zu Beginn klar wurde, dass es sich um die tatsächlich so stattgefundene Katastrophe von 2011 handelt, musste ich zunächst erst einmal schlucken. Das Buch berührt noch einmal auf einer ganzen anderen Ebene wenn man weiß, dass es auf wahren Begebenheiten beruht.

Die Autorin schafft es die Trauer der Charaktere tiefgehend einzufangen, ohne aber dass man als Leser selbst in tiefste Traurigkeit fällt. Die Erzählweise hat mich an „Das Café am Rande der Welt“ erinnert. Es animiert aber jedoch nicht zum sofortigen Leben in vollen Zügen genießen, sondern zum Innehalten und Nachfühlen.

Der Schreibstil war sehr angenehm, sowohl leicht als auch tiefgründig. Man kann dieses Buch gut auch in einem Tag lesen. Zu Anfang war ich von den teils nur eine Seite langen Zwischenkapitel leicht irritiert. Auf den ersten Blick ergibt es vielleicht keinen Sinn, warum ich noch einmal extra erfahren muss, was zum Beispiel in der Brotdose des Kindes ist, insgesamt ergibt sich dadurch jedoch ein Gesamtbild, wodurch man die Gefühle der Charaktere sehr gut nachempfinden kann.

Der Stil des Buches ist etwas besonderes und man sollte sich bewusst sein, dass es um Verlust, Trauer und Schmerz geht, was dieses Buch sehr bewegend und emotional macht.

 

»Demnach setzte das Leben manchen Menschen so zu, dass sie bereits seit ihrer Geburt in Auflösung begriffen waren und es sie allergrößte Mühe kostete, die Stücke ihres Selbst zusammenzuhalten.«

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